10. Februar 2017, 19:09

„Vive l’amitié franco-suisse“

Man könnte vielleicht denken, der traditionelle „Official Evening“ im Vorfeld jeder Fed-Cup- oder Davis-Cup-Begegnung sei etwas steif und der Wein deutlich besser als die Reden. Aber Irrtum: Am Official Evening im Vorfeld der Fed-Cup-Begegnung Schweiz – Frankreich vom Donnerstagabend im Clos du Château in Satigny waren die Reden fast noch besser als der Wein. Ein erstes Highlight lieferte der Schweizer Captain Heinz Günthardt, der sich bei Frankreich zunächst herzlichst für die Erfindung des „French Kiss“ – des Zungenkusses – bedankte. Danach erklärte er voller Stolz, in seinem Team seien schlicht alle Qualitäten vorhanden. Er lobte die Beharrlichkeit von Timea Bacsinszky, die Schnelligkeit von Viktoria Golubic, den „Court sense“ (Spielverständnis, Gespür für den Platz) von Belinda Bencic. Und Martina Hingis sei ohnehin eine der grössten Champions des Tennissports.

Eigentlich gar nicht zu beschreiben ist die anschliessende Rede von Frankreichs Captain Yannick Noah: Es war schlicht und einfach ein Feuerwerk. Die Mischung aus Unterhaltung und Tiefgang, aus „Auf-die-Schippe-nehmen“ und Ernsthaftigkeit – und dies jederzeit mit der allergrössten Hochachtung vor dem gegnerischen Team und allen Anwesenden –, war einzigartig. Eine Persönlichkeit, ein echter Typ, ein Menschenfreund. „Vive l’amitié franco-suisse“, sagte er zum Schluss. Nicht unerwähnt darf bleiben, dass er sich am Ende des Official Evenings an jedem Tisch höflich von allen Anwesenden verabschiedete und ihnen einen schönen Abend wünschte.

Eine weitere Rede wird ebenfalls in Erinnerung bleiben: Amandine Hesse, als Sparringpartnerin des französischen Teams nach Genf gereist, wurde kurz vor dem Official Evening ins Team aufgenommen. Das bedeutete: Rookie speech! Die Tradition sieht vor, dass Teamneulinge an diesem Abend eine Rede halten müssen. Die 24-Jährige löste diese nicht einfache Aufgabe hervorragend und auf erfrischende Art und Weise.

Zwei Dinge von diesem Abend gilt es noch anzufügen. Erstens: Die wunderschön gekleideten Spielerinnen beider Teams amüsierten sich bestens, feuerten ihr Captains bei den Reden an und sorgten auch sonst mit Zwischenrufen für viele Lacher. Zweitens: Jean Gachassin, seit 2009 Präsident des französischen Tennisverbands FFT, wohnte zum letzten Mal einer Fed-Cup-Begegnung bei. Der frühere Rugbyspieler tritt ab, sein Nachfolger wird am 18. Februar gewählt. „Ich möchte gerne mit einem Sieg abtreten“, sagte der tief bewegte Gachassin.

Neuen Kommentar schreiben

glqxz9283 sfy39587stf02 mnesdcuix8