Danke, Marco!

21. Oktober 2017, 15:41

Danke, Marco!

Marco Chiudinelli

Marco Chiudinelli wird sich an den Swiss Indoors Basel vom Profi-Sport verabschieden.
 

Die langjährige Schweizer Nummer 3 Marco Chiudinelli steht nächste Woche an den Swiss Indoors in Basel zum letzten Mal wettkampfmässig auf dem Platz. Chiudinelli verabschiedet sich mit einem Rucksack voller schöner Erinnerungen aus seiner 17-jährigen Profikarriere. 

Leicht hat er sich den Rücktrittsentscheid nicht gemacht. Marco Chiudinelli blieb immer dran, immer noch einmal den Traum vor Augen, wieder in die Top 100 vorzustossen. In letzter Zeit, erneut oft gebremst durch Verletzungen, reifte dann aber der Entscheid. Jetzt, mit knapp über 36 Jahren, hat er ihn getroffen. „Jetzt hatte ich es schon länger im Kopf. Ich hatte so viele Probleme, dass ich fast nie richtig spielen konnte. Ich war vielleicht in diesem Jahr bei fünf Turnieren hundertprozentig fit und vollkommen bereit zu spielen.“ Ganz besonders schwierig war die letzte Phase. "Auf meiner Asientournee im September hatte ich von rund 20 Tagen etwa fünf das Racket in der Hand. Da ist es mir dann definitiv klar geworden.“ Einfach gefallen ist ihm der Entscheid aber nicht: „Es geht mir nahe, ich bin schon etwas traurig, ich hatte die Nase noch nicht voll.“

Nichts ist logischer, als dass der letzte Vorhang in seiner Heimat Basel fällt. In der St. Jakobshalle,wo er schon als Dreikäsehoch viele Stunden als Fan verbrachte, später als Ballboy und seit 2004 als fixer Bestandteil der Swiss Indoors. Nächste Woche startet er zum 13. Mal im Hauptfeld, herausragend bleibt natürlich die Ausgabe 2009. Chiudinelli bezwang der Reihe nach Philipp Kohlschreiber, Michael Lammer und Richard Gasquet, ehe er im Halbfinal an Roger Federer scheiterte. Nicht ohne gegen seinen Jugendfreund einen Satzball gehabt zu haben. Und wer weiss, was passiert wäre, wenn im Tiebreak beim Stande von 4:1 für ihn nicht ein Overrule zu seinen Ungunsten gefällt worden wäre. „Da war ich ziemlich nahe dran“, blickt Chiudinelli zurück. Einen weiteren starken Moment erlebte er 2004, als er bei seiner Hauptfeld-Premiere den Spanier Albert Montanes bezwang. „Da war ich einfach unglaublich happy.“

2009 war sein bestes Jahr überhaupt, wenige Wochen zuvor war er – als erst 10 Schweizer überhaupt – erstmals in die Top 100 vorgestossen und hatte in Bangkok Marat Safin bezwungen, die ehemalige Weltnummer 1. Nach Basel belegte Chiudinelli Platz 52 im ATP-Ranking, es sollte seine beste Klassierung bleiben. Im Doppel erreichte er vier Endspiele auf der ATP-Tour, 2009 feierte er in Gstaad zusammen mit Lammer den einzigen Sieg auf Stufe ATP-Tour.   

18 Begegnungen im Davis Cup
Aus seinem Palmares ragt natürlich der Davis Cup heraus, den er im November 2014 in Lille zusammen mit Federer, Wawrinka und Lammer für sich entscheiden konnte. In der Startrunde in Serbien hatte er seinen Anteil, als er mit Lammer das Doppel gewann, das die Partie vorzeitig entschied. Im letzten Jahrzehnt war er neben Stan Wawrinka die Konstante im Team von Severin Lüthi. In 18 Begegnungen war er dabei, 28 Matches hat er bestritten und einmal half er in einer Verletzungspause sogar als Assistenztrainer aus. 

Mitte September erlebte er in Biel mit den beiden Einzelpunkten im Playoff-Spiel gegen Weissrussland die schönst mögliche Dernière. Unvergessen bleiben aber auch andere Momente, wie die Siege gegen Fernando Verdasco und David Ferrer 2007 gegen Spanien oder seine Beteiligung am längsten Doppel der Davis-Cup-Geschichte. 22:24 im fünften Satz ging es 2013 in Genf verloren, gegen die Tschechen Berdych/Rosol, nach einer Spielzeit von über sechs Stunden.

Ob Davis Cup oder nicht: Chiudinelli zeichneten im Verlaufe seiner Karriere vor allem zwei Qualitäten aus. Erstens, dass er trotz zahlloser Verletzungen nie aufsteckte. Einmal konnte er in 17 Monaten nur zwei Partien bestreiten und fiel sogar aus der Weltrangliste. Am meisten zu schaffen machte ihm dabei das Knie, das er damals in den USA beim bekannten Spezialisten Dr. Richard Steadman operieren liess.

23 Turniersiege auf der Profitour
Andererseits, dass er immer auf den Platz ging, um zu gewinnen. Mit einer ehrenvollen Niederlage konnte und wollte er sich im Gegensatz zu vielen anderen nie anfreunden. Insgesamt feierte er neben Gstaad auf Profistufe 22 weitere Titel: 10 im Einzel (3 Challenger, 7 Future) und 12 im Doppel (je 6). Vor kurzem überschritt er die Brutto-Preisgeldgrenze von 2 Millionen US-Dollar. 

Vermissen wird er einiges: „Ich schätzte den Lifestyle, den man auf der Tour hat. Auch die Reiserei konnte ich sehr geniessen. Und auch den Wettkampf, das war immer wieder eine neue Herausforderung. Natürlich auch die Kollegen und vermutlich habe ich ausserhalb des Tennis nie solche Emotionen erlebt.“ Länger dauert es bei der Frage, was er nicht vermissen werde: „Vermutlich die Tatsache, dass sich zuletzt die Beschwerden immer mehr gehäuft haben.“

Danke für alles, was du für das Schweizer Tennis getan hast, „Chiudi“!​

 

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