19. August 2015, 11:16

Ein etwas anderer „Seitenwechsel“

 

Von Dimitri Bretting, 22, ehemalige Welt-Nr. 18 bei den Junioren. 

In meinem Blog geht es nicht um den Seitenwechsel, den ich bis vor kurzem kannte und bei dem man nach zwei gespielten Games die Seite des Platzes mit dem Gegner tauscht. Mein Seitenwechsel geht vom Tennisplatz ins Büro von Swiss Tennis. Seit letztem Montag absolviere ich hier nämlich eine dreijährige KV-Lehre und ich freue mich riesig auf diese neue Herausforderung.

Seit vielen Jahren, um genau zu sein seit Januar 2007, war ich als Tennisspieler im nationalen Leistungszentrum aktiv. Es war eine wunderschöne Zeit, und, ehrlich gesagt, hätte ich mir keinen besseren Ort vorstellen können, um den Versuch zu starten, Tennisprofi zu werden. Ich konnte meinen Traum einige Jahre leben, auch wenn es schlussendlich nicht bis an die Spitze gereicht hat. Ich bereue keine einzige Entscheidung, welche ich in diesen Jahren getroffen habe und ich habe diese Zeit hier wirklich sehr genossen.

Im April dieses Jahres war für mich dann der Moment gekommen, die bis jetzt womöglich schwierigste Entscheidung meines Lebens zu treffen. Gründe für diesen Seitenwechsel gibt es einige und wie sich sicher die meisten von euch vorstellen können, ist es sehr schwierig, sein Leben mit dem Tennissport zu finanzieren. So war für mich der Moment gekommen, mir mal einige Gedanken über meine Zukunft zu machen, welche mit dann dazu brachten, eine kaufmännische Lehre in Erwägung zu ziehen, um für später ein gutes Standbein zu haben.

Mir war es aber sehr wichtig, sofern möglich, meine „Tennisfamilie“ nicht verlassen zu müssen. Ich fühle mich wohl hier und kenne die meisten Leute schon viele Jahre. Somit hat sich für mich die Möglichkeit ergeben, praktisch bei mir zu Hause, bei Swiss Tennis, diese KV-Lehre machen zu können. Danke allen Verantwortlichen für diese Möglichkeit!

Nun zu meinen ersten Tagen im Büro: Da ich die Mitarbeiter-Kennlernphase überspringen konnte, ging es direkt mit der Arbeit los. Es ist echt interessant die ganzen Hintergrundabläufe, welche man als Spieler nicht mitbekommt, kennenzulernen. Von nun an bin ich nicht mehr derjenige, welcher das Kursaufgebot schön geordnet in einem Swiss Tennis Umschlag nach Hause geschickt bekommt. Ich bin jetzt eine der Personen, die Leute für die Kurse anmeldet, Kursmaterial druckt, Rechnungen schreibt usw. Aber auch Aufgaben wie z.B. Kaffeemaschine putzen, Pflanzen giessen, Müll entsorgen sowie Post öffnen und verteilen gehören nun zu meinen alltäglichen „Ämtlis“.

Ich muss gestehen, es ist nicht ganz einfach, sich die ganzen Arbeitsläufe zu merken. Aber die erste Vorhand, welche man in seinem Leben spielt, wird höchstwahrscheinlich auch nicht im Feld landen. Ich brauche sicher noch Zeit, um mich an all das zu gewöhnen, aber ich bin überzeugt, dass ich meinen Job als Lehrling gut machen werde. Und dann ist da natürlich noch die Schule. Donnerstags und freitags werde ich jeweils an der BFB in Biel die Schulbank drücken. Ich hoffe, dass wenigstens der Lehrer älter ist als ich, da meine Schulkollegen zwischen 15 und 17 Jahre jung sein werden. Das wird sicherlich spannend. 

Um ehrlich zu sein, vermisse ich das Tennisspielen schon sehr. Deshalb habe ich auch schon am Morgen, vor meiner Arbeit, von sechs bis sieben Uhr auch eine Stunde Tennis gespielt. Verrückt ich weiss, aber nach so vielen Jahren Sport ist es schwer auf einmal acht Stunden auf einem Stuhl zu sitzen.

So, dies sollte mal ein erster kleiner Einblick in mein neues Leben sein. Ich werde euch später mehr über meine Arbeit und den Alltag in den Swiss Tennis Büros erzählen.

Bis bald und liebe Grüsse aus der Abteilung Ausbildung

Dimitri Bretting

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Kommentare

Hey Dimi! What a tough choice you've just made. But when you'll define new goals in your life the path is gonna be as beautiful as the one you lived when you pursued your professional career! Good luck!

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