04 septembre 2017, 15:05

„Künftige Champions versuchen nicht, Druck zu vermeiden. Sie lernen, damit umzugehen.“

Beim Visilab Future Turnier in Collonge-Bellerive gewannen Luca Margaroli / Louroi Martinez das Endspiel gegen Damien Wenger / Jakub Paul.

Gerade ist die Turnierserie der insgesamt sechs Women’s Circuit und Visilab Future Turniere in der Schweiz zu Ende gegangen. Erfreulich sind dabei auch die zwei Siege und zwei Finaleinzüge im Einzel sowie fünf Erfolge und weitere zwei Finaleinzug im Doppel, die durch nationale Talente erzielt worden sind. Von Yves Allegro, 39, früherer Nachwuchschef U14 bei Swiss Tennis, seit 2 Jahren Headcoach beim Verband.

Mit mittlerweile insgesamt 10 internationalen ITF-Turnieren und sechs internationalen Juniorenturnieren, die 2017 in der Schweiz durchgeführt wurden, bietet Swiss Tennis dem Nachwuchs wie auch den angehenden Profis ein breites Wettkampfangebot mit internationaler Beteiligung. Wo immer möglich, versuchen wir die Palette der Turniere so zu gestalten, dass möglichst viele Schweizer Athleten davon profitieren können. So wird auch versucht, der Spielstärke der Athleten zu  entsprechen und wo immer möglich höher dotierte Turniere anbieten zu können.

Wir hören jedoch zwischendurch immer mal wieder die Frage, warum so viele Anlässe auf Pro Circuit Level bei uns stattfinden und es gibt auch immer wieder Athleten, die gleichzeitig mit den in der Schweiz stattfindenden Turnieren im Ausland antreten. Warum engagieren sich der Verband und unsere Organisatoren mit ihren Teams dennoch weiterhin für diese arbeitsintensiven Anlässe auf die Beine?

Aus Sicht Spitzensport beim Verband ist klar: der Druck, vor Heimpublikum zu spielen, ist aufgrund der eigenen Erwartungen oder denen des Umfeldes oft höher, als wenn man in der Anonymität irgendwo im Ausland spielt. Sich mit bekannten Schweizer Gegnern, vielleicht sogar befreundeten Trainingspartnern, zu messen, kann psychologisch schwieriger sein, als gegen Unbekannte zu spielen. Solche Herausforderungen kann man annehmen und daran wachsen, oder man kann sie vermeiden und einfach anderswo spielen. Künftige Champions versuchen jedoch nicht, Druck zu vermeiden. Sie lernen, damit umzugehen. Andererseits ist es auch einfacher, sich auf ein Turnier im eigenen Land einzustellen – im Idealfall kennt man die Region, die Sprache, die Kultur und muss sich nicht zu fest umgewöhnen. 

Tennis ist bekanntlich  per se kein günstiger Sport und lange Reisen mit teilweise hohen Kosten garantieren nach wie vor keine ATP- oder WTA-Punkte. Und diese Möglichkeit, ohne weite und teure Anreisen um erste wichtige Weltranglistenpunkte zu kämpfen, bieten unsere Turniere den Schweizer Athleten. Dazu kommt, dass die Veranstalter solcher Turniere natürlich die zu vergebenen Wildcards grossmehrheitlich an Junioren aus dem eigenen Land vergeben – und so haben schon viele junge Schweizer Talente profitieren und ihre ersten Punkte auf heimischem Boden holen können.

Eines ist klar: wer sich im eigenen Land gegenüber den einheimischen Gegnern nicht durchsetzen kann, wer also national nicht besteht und mindestens N2-Niveau erreicht, der wird auch international Mühe haben. Da hilft auch häufiges Spielen von Turnieren auf der ganzen Welt nichts. Besonders in den Kategorien U14 und U16 sind zu häufige Reisen sogar kontraproduktiv und für die physische, technische und taktische Entwicklung eines Spielers nicht zwingend nötig. Während den Reisetagen kann nicht in gewohntem Mass trainiert werden, oft sind die Trainingsbedingungen an den diversen Turnierorten nicht optimal. Das ist in der Schweiz anders – grundsätzlich sind die hier organisierten Turniere auf hohem qualitativem Niveau, Trainingsmöglichkeiten sind selten weit entfernt. Wir haben auch immer wieder Beispiele, wo junge schulpflichtige Athleten am Tag vor dem Turniereinsatz im eigenen Land noch zur Schule gehen, danach ihre Matches bestreiten und am Tag nach dem Ausscheiden bereits wieder die Schulbank drücken. Bei langen Reisen ist der Zeitverlust und damit der Umfang des verpassten Schulstoffes um einiges grösser.

Wir empfehlen, dass im Alter von 14 bis 16 nicht mehr als 10 bis 12 internationale Turniere gespielt werden. Wenn dabei ein grosser Teil in der Schweiz absolviert werden kann, umso besser. Es gibt viele Länder, die über kein oder nur ein kleines Turnierangebot im eigenen Land verfügen. Dadurch sind deren Athleten gezwungen, stets zu reisen. Wer immer unterwegs ist, kommt automatisch weniger zur Ruhe. Und diese Regenerationsphasen sind in jedem Alter wichtig.

Natürlich sollen und müssen sich unsere Kaderathleten mit ihrer internationalen Konkurrenz messen. Auf Reisen werden auch neue Erfahrungen gesammelt – Reisen, Sprachen, Klima, Essen, Kultur, um nur einige zu nennen, welche die Athleten auch in ihrer sozialen Entwicklung weiterbringen. Es ist jedoch der Mix, der entscheidend ist. Unsere Athleten soll(t)en den gebotenen Heimvorteil noch besser nutzen – denn dieser setzt sich nicht umsonst aus HEIM und VORTEIL zusammen –

Das haben diejenigen Athleten, und insbesondere Athletinnen, in den vergangenen Wochen bewiesen, als sie nicht weniger als zwei Siege und zwei Finaleinzüge im Einzel sowie fünf Erfolge und weitere zwei Finaleinzüge im Doppel erzielten. Wir arbeiten daran, dass es in Zukunft mehr sein werden.

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