Klassierung (einfach) erklärt

03. April 2020, 9:14

Klassierung (einfach) erklärt

Swiss Tennis Klassierung

Nun ist die neue Klassierung da. Berechnet wird sie nach einem mathematisch hochkomplexen Verfahren. Wenn Sie aber wissen wollen, was alles einen Einfluss auf Ihre Klassierung hat – hier haben wir Ihnen die wichtigsten Punkte mit ein paar exemplarischen Beispielen zusammengestellt.  

Die Klassierung gibt über die Wettkampfstärke jedes lizenzierten Tennisspielers Auskunft. Sie dient einem geregelten, ausgeglichenen und fairen Wettkampfbetrieb in der Schweiz und ihre Berechnung verläuft mittels eines mathematisch hochkomplexen Verfahrens. Egal, welches Niveau ein Spieler hat, die Klassierung aller SpielerInnen mit Swiss Tennis-Lizenz unterliegen demselben Klassierungsverfahren. 

Roger Federers Schweizer Klassierung wird genau gleich berechnet, wie jene eines Spielers mit Ranking R9. Deshalb und weil Eventualitäten wie der Spielausgang, Stärke des Gegners, Verbesserung bzw. Verschlechterung über die Zeit, Spielaufgaben, Anzahl gespielte Matches, internationale Resultate etc. berücksichtigt werden, gilt dieses Verfahren als äusserst gerecht und fair.  

Die von Swiss Tennis lizenzierten Tennisspielenden werden entsprechend ihrer Spielstärke in 4 nationale Spielklassen (N1 bis N4) und 9 regionale Spielklassen (R1 bis R9) eingeteilt. 

Welche Resultate werden für die Klassierung berücksichtigt? 
Für die Klassierung werden sämtliche Siege oder Niederlagen innerhalb von 12 Monaten berücksichtigt. Dabei spielt es keine Rolle, wie knapp ein Sieg oder eine Niederlage ausgefallen ist oder wie viele Sätze/Punkte gewonnen wurden. Die Klassierung wird zwei Mal jährlich berechnet – im Herbst und im Frühling. Für die Frühjahrklassierung werden alle Resultate vom 1. April bis 31. März berücksichtigt, für die Herbstklassierung zählen jene vom 1. Oktober bis 30. September. Die Periode zwischen den beiden Klassierungsberechnungen (Herbst/Frühling) nennt man Klassierungsperiode. Demnach zählen die Resultate aus 12 Monaten oder, anders gesagt, der letzten beiden Klassierungsperioden für die Klassierung. 

 

Was hat einen Einfluss auf die Klassierung? 


Klassierungswert (C) 
Als Referenz für die Einteilung in die vier nationalen (N1-N4) und neun regionalen Spielklassen (R1-R9) gilt der Klassierungswert. Dieser setzt sich aus dem Wettkampfwert und Risikobonus zusammen. Es gilt: Klassierungswert (C) = Wettkampfwert (W) + Risikobonus (R) 


Wettkampfwert (W)
Der Wettkampfwert (W) gibt über die Spiel- (d.h. Wettkampf-)stärke eines Spielers Auskunft. Je höher dieser Wert, desto stärker ist der Spieler. Der Wettkampfwert wird aufgrund der in den entsprechenden Klassierungsperioden erzielten Resultate berechnet. Das heisst, bis auf die Streichresultate (siehe unten), haben alle Siege und Niederlagen einen Einfluss auf den Wettkampfwert. Nicht nur der Spielausgang hat einen Einfluss auf den Wert, sondern auch die Spielstärke (d.h. der Wettkampfwert) des Gegners. Beispielsweise hat ein Sieg gegen einen Gegner mit weit höherem Wettkampfwert als den eigenen, grössere positive Auswirkungen auf den eigenen Wettkampfwert, als ein Sieg gegen einen schwächer gestellten Gegner.  

Beispiel Sieg: Der Sieg von Max mit W=5 gegen Moritz mit W=10, lässt den Wettkampfwert von Max höher ansteigen als der Sieg gegen Pascal mit W=4. 
Beispiel Niederlage: Durch die Niederlage von Max mit W=5 gegen Patrick mit W=2, sinkt der Wettkampfwert von Max stärker, als bei der Niederlage gegen Pascal mit W=4. 


Risikobonus (R)
Der Risikobonus (R) misst den Wettkampffleiss eines Spielers. Je mehr Matches ein Spieler während den zwei Klassierungsperioden bestreitet, desto höher fällt der Risikobonus aus. Der Risikobonus ist also ein so genannter «Vielspielerbonus». Der Risikobonus steigt, egal ob Sieg oder Niederlage zu Buche steht. Jedoch hat der Wettkampfwert (W) des Gegners einen Einfluss darauf, um wie viele Zähler der eigene Risikobonus steigt. Der Risikobonus steigt stärker an bei einem Sieg gegen einen stärkeren Spieler und bei einer Niederlage gegen einen schwächeren Spieler. Der Risikobonus fällt kleiner aus bei einem Sieg gegen einen schwächeren Spieler und bei einer Niederlage gegen einen stärkeren Spieler. 

Beispiele Risikobonus nimmt stärker zu:
Max W=5 gewinnt gegen Moritz W=10.
Max W=5 verliert gegen Patrick W=2. 

Beispiele Risikobonus nimmt schwächer zu:
Max W=5 gewinnt gegen Patrick W=2
Max W=5 verliert gegen Moritz W=10
 


Verschlechterung / Verbesserung 
Wer kennt es nicht: Die Leistung kann im Laufe der Zeit variieren. Mal spielt man eine Zeit lang gut und kann sich gar verbessern, mal hat man eine Phase, in der man schlechter spielt. So kann es durchaus vorkommen, dass sich ein Spieler über die zwei Klassierungsperioden hinweg verschlechtert oder verbessert. Dies gilt nicht nur für sich selbst, sondern auch für alle anderen Spieler, d.h. auch für die direkten Gegner und wiederum für den Gegner des Gegners etc.. 

Um der eigenen Verbesserung oder Verschlechterung und jener der anderen Spieler während den beiden Klassierungsperioden gerecht zu werden, wird die Klassierung in fünf Läufen berechnet. Als Referenz für die definitive Klassierung gelten demnach nicht die Wettkampfwerte, welche die Spieler zum Zeitpunkt des Aufeinandertreffens hatten, sondern der Wettkampfwert nach dem vierten Klassierungslauf. Je nachdem, ob sich die Spieler über die Zeit verbessert oder verschlechtert haben, fällt der Wettkampfwert nach dem vierten Lauf unterschiedlich aus, als zum Zeitpunkt des Aufeinandertreffens. 

Beispiel: Das Spiel Max W = 5 gegen Patrick W = 2 gewinnt wie erwartet Max. Die übrigen Spiele während den beiden Klassierungsperioden kann Max seine ursprünglichen Fähigkeiten nicht mehr abrufen. Er verschlechtert sich. Auf der anderen Seite gewinnt Patrick Spiel um Spiel. Er verbessert sich. Beim ersten Klassierungslauf werden die Wettkampfwerte zum Zeitpunkt des Aufeinandertreffens verwendet, d.h. Max W = 5 und Patrick W = 2. Da sich Patrick verbessert hat, weist er am Ende des ersten Klassierungslaufs neu einen Wettkampfwert von W = 2.5 auf. Hingegen weist Max durch seine Verschlechterung einen neuen Wettkampfwert von W = 4.5 auf. Danach wird der zweite Klassierungslauf durchgeführt. Für diesen werden nicht mehr die Werte Max W=5 und Patrick W=2 genommen, sondern die Werte, welche nach dem ersten Klassierungslauf hervorkamen, d.h. Max W = 4.5 und Patrick W = 2.5. Lauf für Lauf bis hin zum fünften und letzten Klassierungslauf verändern sich also die für die Berechnung genommenen Referenz-Wettkampfwerte.  


Sowohl die eigene als auch die Leistung aller anderen SpielerInnen 
Jede Spielklasse (N1-N4 und R1-R9) hat eine von Swiss Tennis definierte Anzahl SpielerInnen, welche sich in dieser aufhalten. Je höher die Spielklasse, desto kleiner ist das Kontingent.  

Entscheidend für die Einteilung in die Spielklasse und für die genaue Klassierung ist nicht nur die eigene Leistung, sondern auch die Leistung aller anderen lizenzierten Spieler. Das heisst, die eigene Klassierung ist sehr stark auch von den Leistungen der anderen Lizenzierten abhängig. Es kann also sein, dass ein Spieler keine Spielklasse aufsteigt, obwohl er oder sie sehr erfolgreich Tennis gespielt hat. Dies kann dann zutreffen, wenn alle über ihm klassierten Spieler ähnlich erfolgreich waren wie er oder sie. 

Beispiel 1: Max (Spielklasse R5) spielt während den beiden Klassierungsperioden sehr starkes Tennis und gewinnt Spiel um Spiel. Dies hat natürlich eine positive Auswirkung auf seinen Wettkampfwert. Und so weist er bei der neuen Klassierungsberechnung einen erhöhten Klassierungswert auf. Jedoch konnte er, trotz erfolgreichem Tennisspiel, keine Spielklasse aufsteigen. Der Grund hierfür ist, dass die Spieler, welche in den Spielklassen über ihm klassiert sind, ähnlich erfolgreich Tennis gespielt haben. 

Beispiel 2: Max (Spielklasse 5) spielt während den beiden Klassierungsperioden schlecht und verliert oft. Als dann die neue Klassierungsberechnung durchgeführt wird, ist er immer noch in derselben Spielklasse klassiert – trotz schlechter Phase. Der Grund hierfür ist, dass die Spieler in den unteren Spielklassen sich ähnlich verschlechtert haben, wie er. 

Extrembeispiel: Patrick ist mit seinem Klassierungswert von C=2 an der unteren Grenze der Spielklasse R7 klassiert. Während den beiden Klassierungsperioden spielt er durchzogen – mal gewinnt er, mal verliert er. Als die neue Klassierung erscheint, hat er zwar einen Klassierungswert von C=2.1, rutscht mit diesem jedoch runter in die Spielklasse R8. Dies weil einige unter ihm klassierte Spieler so stark gespielt haben, dass sie ihn in der Rangliste überholen. Und weil das R7-Kontingent vor ihm aufgebraucht wurde, rutscht er trotz höherem Klassierungswert als zuvor in die tiefere Spielklasse ab. 


Streichresultate 
Einen Einfluss auf die Klassierung haben auch die Streichresultate. Bei jedem Spieler und jeder Spielerin wird jeweils pro sechs gespielte Partien, eine Niederlage gegen den Gegner, mit dem tiefsten Wettkampfwert nicht gewertet, d.h. gestrichen. Maximal werden jedoch vier Niederlagen gestrichen. Jemand der viele Matches bestreitet, kann so seltene Ausrutscher gegen Gegner mit tiefen Wettkampfwerten kompensieren. 


w.o-Partien
Es gibt zwei Arten von Partien, welche als w.o gewertet werden. Einerseits Partien, welche aufgenommen wurde, ein Spieler im Laufe des Spiels jedoch aufgeben muss. In einem solchen Fall gilt die Aufgabe als normale Niederlage und wird auch dementsprechend in der Berechnung berücksichtigt. Andererseits gibt es w.o-Partien, welche gar nicht erst aufgenommen wurden, weil ein Spieler nicht antritt. Die Partie wird 0:0 gewertet. Dies hat keinen Einfluss auf den Spieler, so lange dies weniger als vier Mal innerhalb von zwei Klassierungsperioden eintrifft. Trifft dies innerhalb von zwei Klassierungsperioden öfter auf, so werden dem Spieler vom neu errechneten Klassierungswert 0.3 Punkte abgezogen. 

 

(Foto: Mika Baumeister on Unsplash)

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