René Stammbach: „Dem Sport fehlt eine effektive Lobby“

16. April 2020, 20:26

René Stammbach: „Dem Sport fehlt eine effektive Lobby“

René Stammbach setzt sich gegenüber dem BASPO und Swiss Olympic für eine massvolle Lockerung im Tennissport ein.

Interview mit René Stammbach, Präsident von Swiss Tennis, nach der Ankündigung des Bundesrates von heute Nachmittag, dass die bekannten Massnahmen im Kampf gegen das Coronavirus im Sport weiter bestehen bleiben. 

René Stammbach, sind Sie von den heute vom Bundesrat angekündigten Massnahmen enttäuscht?

Vorab zwei Feststellungen: Der Sport – und wir reden von knapp 2 Millionen organisierten Sportlerinnen und Sportlern und Zehntausende von Arbeitsstellen im Sportbereich - ist an der heutigen Medienkonferenz in keinem einzigen ganzen Satz vorgekommen. Die zweite betrifft die bisher vom Bundesrat getroffenen Massnahmen, die offensichtlich Wirkung zeigen und die Swiss Tennis auch offiziell gegenüber unseren 200‘000 Tennisspielenden jederzeit und in aller Deutlichkeit unterstützt hat und weiterhin unterstützen wird. Ihre Frage kann ich trotzdem nur mit einem klaren „Ja“ beantworten.

Worauf führen Sie das zurück?
Es ist offensichtlich, dass der Cluster Sport – und da beziehe ich Swiss Tennis ein - in unserem Land offensichtlich eine zu wenig durchsetzungsfähige Lobby hat. Das scheint mir einer der wesentlichen Faktoren zu sein und den bin ich bereit, zusammen mit unseren Stakeholders und für unseren Verband positiv anzugehen.

 Wie meinen Sie das konkret?
Die Wirtschaft, die Parteien, die Gewerbeverbände, die Gewerkschaften, individuelle Branchen verfügen alle über professionelle Einflussmechanismen sowohl auf Regierungs- als auch auf parlamentarischer Ebene. Mal abgesehen von der „Parlamentarischen Gruppe Sport“, die sich fallweise für sportliche Belange einsetzt, ist der Sport weder finanziell noch organisatorisch – mit Ausnahme des Bundesamtes für Sport  und Swiss Olympic- auf vergleichbarer Höhe wie die Vorgenannten.

Nun können – unter gewissen Voraussetzungen – spezifische Dienstleistungssektoren ihre Tätigkeiten nach dem 26. April wieder aufnehmen. Warum ist das Tennisspielen weiterhin nicht gestattet?
Der Bundesrat hat heute klar einer schrittweisen „Öffnung des alltäglichen Lebens» mit den entsprechenden Richtlinien zugestimmt. Dem ist nichts entgegenzusetzen. Was enttäuschend ist, ist die Tatsache, dass wir im Tennis genau über diese Schutzkonzepte verfügen und bereit wären, unter Auflagen den Spielbetrieb zeitnah aufzunehmen. Genauso wie der Golfverband, mit dessen Präsidenten ich fast täglich im Austausch bin und die ein nachhaltiges Betriebskonzept unter Covid-19 entwickelt haben, das wir inzwischen für unseren Sport adaptiert und verfeinert haben.

Zudem führt der Bundesrat für die nun erfolgte schrittweise Öffnung das Argument in den Vordergrund, es sollen primär „personenbezogene Dienstleistungen“ profitieren können. Darunter fallen also „expressis verbis“ auch unsere Tennislehrpersonen, welche diese Tätigkeit hauptberuflich ausüben.

Was sind die Eckpunkte dieser Schutzkonzepte?
Sie sind eine Art «Leitfaden» für unsere Clubs und Centers sowie Verhaltensrichtlinien für die Tennisspielenden. Im Vordergrund stehen natürlich die vom Bundesrat verordneten Distanz- und Hygieneregeln. Dann Richtlinien, welche Teile der Anlagen geschlossen bleiben sollen – Garderoben, allgemeine Clubräumlichkeiten und Restaurants. Zudem wie lange sich Tennisspielende vor und nach der Partie oder dem Training maximal auf der Anlage aufhalten sollen, um allzu grosse Personenansammlungen zu vermeiden u.a.m.

Sie sind also optimistisch auf eine baldige Öffnung der Tennisanlagen?
Wenn damit keine unnötige Gefährdung von Personen entstehen, sollte bei Einzelsportarten auch hier zeitnah eine massvolle Lockerung möglich sein. Zumindest wäre das im Vergleich zu den nun freigegebenen Branchen aus meiner Sicht verhältnismässig. Wie man so schön sagt: Die Hoffnung stirbt zuletzt.


Wie sich Swiss Tennis für eine solch massvolle Lockerung im Tennis einsetzt, lesen Sie hier. 

 

 

 

 

 

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