Richtiges Coaching im Interclub

28. April 2017, 11:09

Richtiges Coaching im Interclub

Stan Wawrinka und Severin Lüthi

Davis-Cup-Captain Severin Lüthi coacht Stan Wawrinka.

Was an Turnieren gemeinhin verboten ist, ist im Interclub erlaubt. Wie im Davis- oder Fed Cup auch, darf in einem Teamwettbewerb ein Spieler während dem Seitenwechsel von einem Coach betreut werden. Im Interclub ist dies meistens ein Teamkollege. Doch wie coacht man richtig? Und was muss man als Coach beachten? Am 9. Juni 2017 findet zu diesem Thema im Nationalen Leistungzentrum von Swiss Tennis ein Weiterbildungstag statt.

Artikel 40 des Interclubreglements hält diese, für viele Interclub-Spieler sichere besondere Rolle des Coaches fest: „In Auslegung von Art. 30 SPR darf jeder Einzelspieler und jedes Doppel von je einem sich ausserhalb des Platzes aufhaltenden Betreuer beraten werden, jedoch nur beim Seitenwechsel am Schluss eines Spieles, nicht dagegen beim Seitenwechsel in einem Tiebreak. Wenn aus räumlichen Gründen die Beratung von ausserhalb des Platzes nicht möglich ist, darf innerhalb des Platzes bei den Spielerbänken beraten werden.“

Doch was macht man als Coach genau und wie kann man als Coach seinem Teamkollegen zur Bestleistung verhelfen? Wir haben für Sie ein paar Coaching-Tipps für vor, während und nach dem Match zusammengestellt. Denn beim Coaching geht es nicht nur um die Beratung während dem Match, sondern auch um die Matchvorbereitung und die Besprechung nach dem Spiel.
 
Coaching VOR dem Match
„Ein Tennismatch beginnt im Gegensatz zum Seilhüpfen nicht, wenn es anfängt, und endet nicht, wenn es vorbei ist. Tennis fängt ausserhalb des Platzes an, setzt sich fort in der Matchvorbereitung und während des Matches und geht weiter, wenn der letzte Punkt gespielt ist“, sagte bereits der ehemalige amerikanische Tennisprofi und Ex-Coach von Andre Agassi, Brad Gilbert. Deshalb ist es wichtig, nicht nur die Muskeln „aufzuwärmen“, sondern auch mental gut auf den Match vorbereitet zu sein. Severin Lüthi hat Davis-Cup-Neuling Antoine Bellier mit folgenden Worten auf den Match gegen den haushoch favorisierten Usbeken Denis Istomin eingestimmt: „Du wirst gegen ihn acht von zehn Mal verlieren. Doch wenn du nicht trotzdem 100 Prozent bereit bist, verlierst du auch die beiden Partien, in denen du im Prinzip eine Chance hast.“
 
Coaching-Tipps:

  • Vor dem Match abstimmen, wer als verantwortlicher Coach Tipps geben soll.
  • Wer es sich nicht zutraut, soll sich mit dem Coaching besser zurückhalten. Im Zweifelsfall ist kein Coaching besser als eine zwar gutgemeinte aber unglückliche Unterstützung.
  • Alle Einflüsse, die nichts mit dem Match zu tun haben, vom Spieler fernhalten. So kann sich dieser voll auf seinen bevorstehenden Match konzentrieren. Wie man sich eine „Pre-Match-Routine“ – also eine gute Matchvorbereitung – aneignet, erfahren Sie hier


Coaching WÄHREND dem Match
Beim Coaching während den Seitenwechseln ist die Zeit knapp. Es ist daher wichtig, positiv und konkret zu kommunizieren. Sätze wie „Mach weniger Fehler!“ oder „Du hast noch nicht verloren!“ sind gut gemeint, haben aber eine negative Wirkung und können durch konkrete Tipps oder Aufmunterungen wie: „Spiel den Ball mit mehr Spin ins Feld!“ oder „Wenn du kämpfst wie ein Löwe, hast du eine Chance diesen Match zu gewinnen“ ersetzt werden.
 
Auch Severin Lüthi weist in einem Interview zu seiner Rolle als Coach darauf hin, dass es sinnvoll ist, kurz und konkret zu coachen: „Am Anfang hat man das Gefühl etwas sagen zu müssen wegen den Kameras, inzwischen ist mir das egal. Zudem ist sich ein Spieler gewohnt 95% all seiner Matches ohne jemanden auf der Bank zu spielen, daher will er auch mal durchschnaufen und nicht endloses Gequatsche hören. Es gibt Momente in denen man pushen und solche in denen man beruhigen muss.“
 
Coaching-Tipps:

  • Nur coachen, wenn es auch erlaubt ist (Junioren-Interclub, Interclub)
  • Das Spiel von Beginn an mitverfolgen, am besten bereits beim Einspielen
  • Mit dem Coaching auf die Taktik und das Verhalten abzielen (z.B. Atmung, Körpersprache, Rituale) und weniger auf die Technik (an den Schlägen kann dann im Training wieder gearbeitet werden)
  • Konkrete und positive Handlungsanweisungen geben (nicht Fehler kritisieren, sondern gute Spielzüge loben). Den Spieler motivieren. Floskeln vermeiden.
  • Positive Ausstrahlung und Vertrauen in die Stärke des Spielers zeigen
  • Blickkontakt aufrecht halten, den Spieler beruhigen oder ermutigen 


Coaching NACH dem Match
Falls nach dem Match noch Zeit bleibt für eine Besprechung und nicht gleich zum nicht minder wichtigen sozialen Teil des Interclubs übergegangen wird, gilt es für den Coach folgende Aspekte zu berücksichtigen:
 
Coaching-Tipps:

  • Keine ausgedehnten Analysen direkt nach der Niederlage, den Spieler alleine lassen oder ihn ablenken.
  • Fragen stellen wie: Was war gut? Was war nicht gut? Hast du deine Ziele erreicht? Was würdest du anders machen, wenn du jetzt noch einmal in der gleichen Situation wärst? Wie kannst du das im nächsten Training trainieren? 

Mit diesen und ähnlichen Fragen kann eine handlungsorientierte Siegermentalität aufgebaut und sicher auch die Vorfreude auf die nächste Interclub-Begegnung oder das nächste Turnier gefördert werden.
 

Weiterbildungstag „Tennispsychologie“ für Mentaltrainer, Sportpsychologen und interessierte Tennistrainer
Am 9. Juni 2017 findet im Nationalen Leistungszentrum von Swiss Tennis in Biel der Weiterbildungstag „Tennispsychologie“ für Mentaltrainer, Sportpsychologen und interessierte Tennistrainer statt. Schwerpunktthema wird das Coaching vor, während und nach dem Macht sein. Nach einem Überblick zum Schweizer Tennis werden wir zusammen mit Nina Nittinger den Themen Matchvorbereitung und Matchbesprechung auf den Grund gehen und auch viele praktische Übungen auf dem Platz durchführen.

Weitere Infos zum Kurs finden Sie hier, Anmeldung bitte unter: www.swisstennis.ch/kurse-trainer.

glqxz9283 sfy39587stf02 mnesdcuix8