Tenniskarriere oder Ausbildung?

18. Dezember 2018, 15:48

Tenniskarriere oder Ausbildung?

Marco Chiudinelli hat seine «Karriere nach der Karriere» mit einer eigenen Unternehmung lanciert.

Marco Chiudinelli hat seine «Karriere nach der Karriere» mit einer eigenen Unternehmung lanciert.

«Setze ich alles aufs Tennis? Oder mache ich noch eine Ausbildung? Und was mache ich eigentlich nach meiner Tenniskarriere?» Diese Fragen stellen sich viele junge Tennisspieler. Was Swiss Tennis für eine Karriereplanung rät und was der ehemalige Tenniscrack Marco Chiudinelli heute macht, erfahren Sie im Artikel.

Die Karriere nach der Karriere
Im Rahmen der Generali Swiss Champion Trophy ging man in einer spannenden Talkrunde mit dem ehemaligen Davis-Cup-Spieler Marco Chiudinelli, dem A-Kader-Junior Dominic Stricker und Tenniskommentator Bernhard Schär dem Thema «Profitennis und das Leben danach» auf den Grund.
 
«Das Netzwerk, das ich mir während der Zeit als Profi auf der Tour aufbauen konnte ist wichtig. Diese Kontakte helfen mir momentan bei der Arbeit», so Marco Chiudinelli, der dieses Jahr eine Management- und Consulting-Firma gegründet hat. «Bereits als Tennisprofi ist man der Chef seines eigenen Unternehmens. Von daher ist es gar nicht so abwegig, dass ich jetzt eine Firma gegründet habe», so der Davis-Cup-Sieger weiter.

Dass Spitzensportler wichtige Erkenntnisse und in die Berufswelt mitnehmen können, davon ist auch SRF Journalist und Tennisexperte Bernhard Schär überzeugt: «Einmal Spitzensportler – immer Spitzensportler. Diese Haltung verliert man in der Regel nicht. Das konnte ich jetzt schon bei einigen Athleten beobachten». Der dritte Talkgast, Dominic Stricker, der neu im A-Kader von Swiss Tennis ist, denkt natürlich noch nicht über das Berufsleben nach der Tenniskarriere nach: «Ich setzte zurzeit voll auf Tennis, einen Plan B gibt es momentan nicht. Ich gehe allerdings noch zur Schule».

Damit wären wir wieder beim Ausgangsthema: Ausbildung und Tenniskarriere. Wie geht das 16-jährige Talent mit der Doppelbelastung um? «Für die Schule müssen wir sehr viel selbständig machen. Wenn ich unterwegs bin, krieg ich von den Lehrern einfach den Stoff für die Wochen, an denen ich an den Turnieren bin. Den muss ich mir dann selber oder zusammen mit Annemarie Rüegg von Swiss Tennis erarbeiten. Selbständigkeit ist sehr wichtig, das habe ich früh gelernt!» Eine Eigenschaft, die auch später für die «Karriere nach der Karriere» wertvoll ist, wie Marco Chiudinelli bekräftigt: «Als Profisportler hat man gelernt mit Druck umzugehen, man entwickelt Organisationstalent und wird sehr selbständig. Qualitäten, die auch in der Wirtschaft gefragt sind.»

Alessandro Greco, Leiter Spitzensport bei Swiss Tennis, gibt zu verstehen, dass sich das Schweizer Schulsystem in den letzten Jahren dem Spitzensport angenähert hat, aber noch zu wenig tennisorientiert ist. «Als angehender Profi mit grossem Potential musst du bereits früh im Ausland um ITF-Punkte spielen, denn Tennis ist ein globaler Sport und die internationale Konkurrenz schläft nicht.» Das bedeutet für die Junioren zahlreiche Fehlstunden in der Ausbildung, der Schulstoff kann oft nicht mehr richtig aufgearbeitet werden.

Investiere ich in die Tenniskarriere oder in die Ausbildung? Wie stark sich ein Spieler mit diesen Fragen beschäftigen muss, häng vor allem von seinem Potential ab. Dieses entscheidet zwischen Spitzen- und Leistungssport.
 
Gutes ITF-Juniors Ranking und Junioren-Grand-Slams als Indikator
Als Indikator für das Potential hat für Swiss Tennis das ITF Junioren Ranking einen hohen Stellenwert. Ranglisten sind ein Indikator für Talent und Fähigkeiten. Selbstverständlich gibt es Ausnahmen, aber grundsätzlich gilt: Wer später Erfolg haben will, muss bereits bei den Junioren erfolgreich sein, sprich ein gutes Ranking aufweisen. Das Ziel für diese Spielerinnen und Spieler muss es sein, im Junioren Ranking in die Region von Platz 50 zu kommen und auch Junioren-Grand-Slams zu bestreiten. Diese kleine Garde gehört zum reinen Spitzensport. Für sie ist eine weiterführende Schule schwierig zu absolvieren. Swiss Tennis rät diesen Spielerinnen und Spielern, den Fokus auf die Tenniskarriere zu legen und Aus- und Weiterbildungen zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen. Greco will jedoch nicht ganz von einer schulischen Weiterbildung abraten: «Orts- und zeitabhängige Ausbildungen sind schwierig mit dem Spitzensport zu vereinbaren. Fernstudien oder Sprachdiplome hingegen sind möglich. Viele Spieler brauchen diesen Ausgleich und sollen dies unbedingt machen.» Für Leistungssportler sollte der Fokus auf die nationalen Höhepunkte (Interclub, Nationale Meisterschaften, Internationale Turniere in der Schweiz etc.) ausgerichtet sein. Diese Spielerinnen und Spieler können einem Schulpensum Folge leisten, so ein zweites Standbein aufbauen und einen angepassten Trainings- und Wettkampfplan verfolgen.

Dieser Artikel ist im aktuellen Swiss Tennis Newsletter erschienen. Haben Sie den Newsletter noch nicht abonniert? Hier können Sie dies nachholen. Abonnenten des Swiss Tennis Newsletters kommen in den Genuss hilfreicher Tipps von Top-Spielern und Trainern, lernen junge Nachwuchsspieler kennen, erfahren Neues vom Verband und profitieren von exklusiven Spezialangeboten und attraktiven Wettbewerben.

 

glqxz9283 sfy39587stf02 mnesdcuix8