10. September 2015, 12:44

Wieviel „Schuld“ trifft Swiss Tennis am aktuellen Schweizer Tenniswunder?

In vielen Medienberichten geht es aktuell um die Frage „Warum ist die Schweiz derart erfolgreich im Tennis?“.  Ausgewiesene (und selbsternannte) Experten melden sich zu Wort und es werden Gründe genannt wie Glück, Wohlstand, Vorbilder, Vermischung osteuropäischer mit Schweizer Mentalität, viele Tennisplätze und kurze Distanzen etc. Von Jürg Bühler, seit 2014 Ausbildungschef bei Swiss Tennis. Er ist ausgebildeter Sportpsychologe und langjähriger Tennistrainer. 

Und gleich danach läuft es auch auf die Frage hinaus „Wieviel Einfluss hat der Verband daran?“ und es wird eruiert, ob unsere Spitzenspieler nun den „Verbandsweg“ bestritten hätten oder mit Eltern oder Privatcoaches trainiert hätten: Wawrinka und Hingis nicht Verband, Federer zwar immer Verband, aber dann trotzdem mit Vorbehalt wie „Doch auch Federers Karriere ist weniger ein Resultat gezielter Verbandsförderung als seines herausragenden Talents. (NZZ, 1.9.2015)“. Aber - was soll die Frage eigentlich?

Swiss Tennis besteht nicht nur aus den Nationaltrainern und dem nationalen Leistungszentrum. Und nicht nur SpielerInnen, die in Biel trainieren, werden vom Verband unterstützt. Swiss Tennis bildet zusammen mit seinem Partner J+S Leiter und Juniorenchefs aus und erstellt gemeinsam Trainingsdokumente, die auf allen Alterstufen in der Nachwuchsförderung eingesetzt werden 

In Tennisclubs werden von diesen Leitern Trainings, Camps und Events für Junioren und Kids angeboten, welche finanziell von J+S unterstützt werden. Die Junioren sammeln Wettkampf-Erfahrung, indem sie den Junioren-Interclub, Interclub und Turniere bestreiten, für welche Swiss Tennis die Rahmenbedingungen und die Administration zur Verfügung stellt. Im Klassierungssystem von Swiss Tennis können sich die Lizenzierten dann gegenseitig in verschiedenen Ranking vergleichen oder auch ihren monatlichen Fortschritt kontrollieren, was sehr motivierend sein kann. Die Leiter können die Matches der Junioren besuchen und erhalten auch dafür Bundessubventionen. Natürlich gibt es auch zum Coaching an Turnieren Weiterbildungskurse (J+S-Modul Coaching oder Tennispsychologie).

Die Jüngsten absolvieren ihre ersten Tennis-Schritte in der von Swiss Tennis zur Verfügung gestellten Kids Tennis High School, wo sie ihre Fortschritte im Teampass nachsehen können und die Trainer einen umfangreichen Vorrat an Trainingstools erhalten. Die Juniorenchefs der Clubs, die das alles organisieren,  können sich in den Kursen von Swiss Tennis weiterbilden und werden einmal im Jahr an das nationale Forum für Juniorenverantwortliche in Biel eingeladen. Die besten regionalen Junioren  können ausserdem in den Kaderstrukturen der Regionalverbände trainieren, welche das Bindeglied zwischen den Clubs und Centern und dem nationalen Verband bilden. Alle Kadertrainer sind von Swiss Tennis ausgebildete Wettkampftrainer, welche gemäss den Ausbildungsinhalten des Swiss Tennis Player Development Programms unterrichten.

Ich könnte noch viel mehr Beispiele aufzählen, wie Swiss Tennis und sein Partner J+S die tagtäglichen Aktivitäten auf den Schweizer Tennisplätzen beeinflusst und unterstützt. Aber  um wieder auf die eingangs gestellte Frage nach den Gründen für den Schweizer Tenniserfolg einzugehen, ist es meiner Ansicht nach wichtig zu sehen, dass auch Belinda Bencic und Stan Wawrinka in gut organisierten Schweizer Tennisclub oder-centern begonnen haben, dass auch sie einmal Interclub und nationale Turniere gespielt haben und sich durch unser Klassierungssystem motivieren liessen. Roger hätte es sicher auch in Südafrika geschafft oder Belinda in der Slowakei, aber es hätte wohl  mehr Risikofaktoren und Stolpersteine, Infrastrukturprobleme und Ausbildungsdefizite gegeben.

Swiss Tennis ist also nicht nur das  nationale Leistungszentrum, sondern auch alle, im internationalen Vergleich überdurchschnittlich gut ausgebildeten Leiter, Kaderverantwortlichen, Trainer und Tennislehrer. Das Swiss Tennis-Ausbildungssystem wurde vom Internationalen Tennisverband ITF mit dem höchsten Gütesiegel ausgezeichnet. Swiss Tennis ist auch unser weltweit einzigartiges Wettkampf- und Klassierungssystem. 

Swiss Tennis – also das Schweizer Tennis –  ist meiner Meinung nach schlussendlich ein Teil von vielen fruchtbaren Rahmenbedingen, die, wenn sie von allen Beteiligten optimal und synergienutzend eingesetzt werden, den Erfolg unseres kleinen Landes in der Weltsportart Tennis ermöglichen.

 

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