«Ich habe die Hälfte meines Lebens bei Swiss Tennis verbracht»

04. Juli 2018, 9:44

«Ich habe die Hälfte meines Lebens bei Swiss Tennis verbracht»

Dimitri Bretting

Dimitri Bretting heute und als Junior.

Dimitri Bretting gehörte zu den besten Junioren der Welt. Ihm wurde eine vielversprechende Karriere vorhergesagt. Doch dann musste er mit nur 21 Jahren seinen Traum vom Tennisprofi begraben und sich neu orientieren. Der einstige A-Kaderspieler von Swiss Tennis begann beim Verband eine kaufmännische Lehre. Nun geht auch diese Ära zu Ende.

«Ich habe die Hälfte meines Lebens bei Swiss Tennis verbracht. Für mich geht also nicht nur die Lehrzeit, sondern eine Ära zu Ende», sagt Dimitri Bretting mit Blick auf den bevorstehenden Lehrabschluss. Ein halbes Leben, in dem viele Freundschaften geknüpft und ein Umfeld aufgebaut wurde – mit dem Nationalen Leistungszentrum von Swiss Tennis als Lebensmittelpunkt.

Als 13-Jähriger kam er 2007 ins Nationale Leistungszentrum von Swiss Tennis nach Biel. Ein grosser Schritt. Einer, der ihn geprägt hat. «Es war eine wunderschöne Zeit, und, ehrlich gesagt, hätte ich mir keinen besseren Ort vorstellen können, um den Versuch zu starten, Tennisprofi zu werden. Ich konnte meinen Traum einige Jahre leben, auch wenn es schlussendlich nicht bis an die Spitze gereicht hat.»

Selbst als er den Traum einer grossen Tenniskarriere aus gesundheitlichen Gründen begraben musste, blieb sich Dimitri Bretting treu. Ob als Tennisspieler oder im Berufsleben, er hat seine Entwicklung fortgesetzt. Sein damaliger Coach bei Swiss Tennis, Roland Burtscher, beschreibt es so: «Er war immer zuverlässig, diszipliniert, aber trotzdem lustig. So ist er geblieben – dabei aber einfach erwachsen geworden.»

Mit dem Schicksal hadert er nicht. «Ich bereue es nicht, aufgehört zu haben. Es gibt Momente im Leben, in denen man realistisch sein muss». Aber klar, es gibt sie immer noch, die Augenblicke in denen es weh tut. Wenn er beispielswiese Mate Pavic verfolgt. Gegen den Kroaten hat Bretting als Junior regelmässig gespielt. Heute ist Pavic im Doppel die Nummer 1 der Welt. Oder beim Mitfiebern am Davis Cup. «Das ist jetzt meine Generation. Da denk ich schon manchmal: Scheisse!»

Aber die ehemalige Welt-Nr. 18 bei den Junioren lässt sich nicht so leicht unterkriegen. Schliesslich gab es auch viele schöne Erlebnisse, die er nicht missen möchte. «Die Teilnahme am Juniorenturnier der Australian Open war für mich wohl einer der schönsten Momente meiner Karriere. Und wer kann in dem Alter schon so viel Reisen?»

Von seinem Leben als Profisportler hat er später auch in seiner kaufmännischen Lehre profitiert. «Der Sport hat mich Disziplin gelehrt. Das hat mir in der Berufsschule, beim Lernen und beim Arbeiten sehr geholfen.» Dass er in seiner Lehre älter war als die meisten seiner Mitschüler, hat ihn nicht gestört. «Wahrscheinlich war es für mich einfacher. Ich hatte eine andere Motivation, einen anderen Fokus als viele 16-Jährige.»

«Noch bis vor kurzem hätte ich mir nicht vorstellen können, dass ich mal vom Sport weggehe», sagt der 25-Jährige. Aber das Leben hat manchmal andere Pläne. Eine Lektion, die Dimitri Bretting nur zu gut kennt. So wechselt er nach Abschluss seiner kaufmännischen Lehre bei Swiss Tennis diesen Sommer zur BDO in Bern in die Wirtschaftsprüfung. «Der Abschied von Swiss Tennis fällt mir schwer. Aber ich freue mich jetzt auch auf ein neues Umfeld. Darauf, neue Leute kennen zu lernen und Neues zu lernen.»

Zurzeit könnte sich Dimitri Bretting nämlich nicht vorstellen acht Stunden am Tag auf dem Tennisplatz zu stehen und zu Unterrichten. «Aber klar, Tennis wird nach wie vor einen grossen Stellenwert in meinem Leben behalten. Nächstes Jahr möchte ich auch wieder Interclub spielen.»

Das ist vielleicht ein kleines Trostpflaster für seinen ehemaligen Coach Roland Burtscher. Er hätte ihn gerne im Tennis behalten. «Als Ausbildner auf dem Platz hätten wir ihn auch gut gebrauchen können. Aber natürlich freue ich mich für ihn. Er hat sich sehr gut entwickelt und steht mit beiden Beinen im Leben.» Und das zählt vielleicht mehr als jeder Grand-Slam-Titel.

 

Lust auf eine Ausbildung bei Swiss Tennis?

Der Schweizerische Tennisverband bildet kaufmännische Lehrlinge aus. «Es ist ein tolles, sportliches und familiäres Umfeld», berichtet Dimitri Bretting, der diesen Sommer seine 3-jährige Lehre beendet. «Man erhält eine gute Grundausbildung und viele verschiedene Einblicke in die Sportwelt.»

Die Lehrstelle Kauffrau/Kaufmann EFZ für Sommer 2018 ist aktuell noch zu vergeben. Informationen unter: www.swisstennis.ch/jobs.

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