Attraktive Aufgaben stellen

29. Januar 2020, 15:58

Attraktive Aufgaben stellen

Attraktive Aufgaben im Tennisunterricht

Man lernt besser, wenn attraktive Aufgaben gestellt werden.

Ob im Tennistraining oder sonst in Lernsituationen: Man lernt besser, wenn attraktive Aufgaben gestellt werden. Tönt einleuchtend. Doch was heisst das genau? Wir haben bei den Swiss Tennis Coaches nach Beispielen gefragt.

Schon Galileo Galilei sagte: «Man kann einen Menschen nichts lehren, man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu tun.» Lernen bedeutet also, etwas selbst tun. Doch Lernende können schwierige Aufgaben selten auf Anhieb lösen. Es gelingt ihnen aber mit der entsprechenden Anleitung, Unterstützung oder Übung. Attraktive Aufgaben können also motivierend auf den Lernprozess wirken.
 
Herausfordernde, attraktive Aufgaben stellen – was bedeutet das? Und wie wird dies im Tennistraining umgesetzt? Wir haben hier einige wichtige Punkte aus dem neuen Magglinger J+S-Ausbildungsmodell zusammengefasst und bei unseren Swiss Tennis Coaches konkrete Beispiele aus dem Trainingsalltag angeschaut.
 
1. Herausfordernde Aufgaben stellen und fachlich korrekt anleiten
Um unterschiedlichen Voraussetzungen gerecht zu werden, bedarf es eines differenzierten Unterrichtsstils. Werden Übungsformen variiert (erleichtert bzw. erschwert), lassen sich Über- oder Unterforderung vermeiden.

  • Praxis-Tipp: Stage-Bälle (v.a. Grün) lassen sich einfacher spielen. Wir setzen diese zur Verfeinerung der Technik auch bei sehr guten SpielerInnen ein. (Roland Burtscher, Nationaltrainer bei Swiss Tennis)
  • Praxis-Tipp: Die Aufgabe für die Gruppe lautet: Wer kann 100 Seilsprünge in kürzester Zeit absolvieren. Auswerten kann man nun aber auch, wie sich die schwächeren Spieler gegenüber dem besten Spieler in der Gruppe innerhalb von drei Wochen verbessern. Können Sie den prozentualen Unterschied verkleinern? (Beni Linder, Headcoach Kondition bei Swiss Tennis)
  • Praxis-Tipp: Man kann Übungen, die man mit Kindern schon ein paar Mal gemacht hat, auch mal von einem Kind erklären und vorführen lassen. (Ilona Schönmann, Verantwortliche Kids Tennis-/J+S-Kindersport-Ausbildungen bei Swiss Tennis) 

2. Vielseitige Lernarrangements planen und umsetzen
Grade das Erlernen technisch komplexer Fertigkeiten – wie die einzelnen Schläge im Tennis – braucht eine hohe Wiederholungszahl. Wer dabei stur an den gleichen Abläufen festhält, vergrault seine Trainingsgruppe. Stattdessen sind kreative «Verpackungskünstler» gefragt. Sie «garnieren» altbekannte Übungen mit neuen Zutaten und sorgen mit vielfältigen Lernarrangements für Abwechslung. So kann über längere Zeit an einer Übung festgehalten und Trainingsfortschritt erzielt werden ohne das Langeweile aufkommt.

  • Praxis-Tipp: Kleine Variationen kann man gut einbauen, in dem man bei einer Übung plötzlich Punkte zählt. Da kommt sofort ein anderes (Wettkampf)-Gefühl auf. (Roland Burtscher)
  • Praxis-Tipp: Bei der Aufgabe «5 Froschsprünge in Folge ohne Unterbruch nach jedem Sprung» kann man den Fokus jeweils auf unterschiedliche Aspekte, z.B. den Armeinsatz, auf die Gesamtdistanz, den Rhythmus der Sprünge, auf das Geräusch bei der Landung, auf die stabile Beinachse, auf die Hüftstreckung usw. legen. (Beni Linder)
  • Praxis-Tipp: Posten mit verschiedenem Material (Schläger, Bälle, Leiter usw.) vorbreiten. Die Kinder sollen nun selber ausprobieren und entdecken, was sich damit alles machen lässt. Anschliessend dürfen sie das Ausprobierte der Gruppe vorführen. (Ilona Schönmann) 

3. Individuelle und gemeinsame Erfolgserlebnisse ermöglichen
«Gibt es etwa eine bessere Motivation als den Erfolg?», fragte der ehemalige French-Open-Sieger und Sportmanager Ion Tiriac. Tatsächlich interlassen Erfolgserlebnisse einen prägenden Eindruck. Aus motivations-psychologischer Sicht geht es dabei weniger um Medaillen und Pokale, sondern vielmehr um die Wahrnehmung von individuellen Fortschritten und Gemeinschaftserlebnissen.

  • Praxis-Tipp: Nicht nur Gewinnschläge zählen. Es kann, und soll, auch ein Erfolgserlebnis sein, wenn konkrete Vorgaben – wo wird hin gespielt oder getroffen oder ein qualitativ hoher Schlagrhythmus – erfüllt werden. (Roland Burtscher)
  • Praxis-Tipp: Bei einem Zick-Zack-Lauf mit drei Richtungsänderungen wird die Zeit gemessen. Indem der Spieler die Richtungsänderung durch besseres Bremsen, Starten, dynamisches Gleichgewicht, Beachten der Rumpfstabilität, klarer Armeinsatz bei der Beschleunigung, etc. koordinativ verbessert, erreicht er rasch eine bessere Zeit und damit ein Erfolgserlebnis. (Beni Linder)
  • Praxis-Tipp: Stafetten-Formen (z.B. je sechs Bälle am Netz einsammeln) eignen sich gut, um allen Kids ein Erfolgserlebnis zu ermöglichen. Zuerst tritt jedes Kind alleine an, dann treten sie zu zweit an und zuletzt die ganze Gruppe gegen den Leiter. (Ilona Schönmann) 

4. Zeitnahe, zielorientierte und konstruktive Rückmeldung geben
Anregende Rückmeldungen (Feedbackstil) und eine enge Begleitung steigern die Motivation. Wertschätzende LeiterInnen verteilen Lob und fragen nach. Sie zeigen Verbesserungsmöglichkeiten auf und formulieren Rückmeldungen beschreibend, nicht wertend («C’est le ton qui fait la musique»).

  • Praxis-Tipp: Wir sensibilisieren unsere JuniorInnen, sich im Selbstgespräch jeweils selber auch kurze Rückmeldungen zu geben. (Roland Burtscher)
  • Praxis-Tipp: Wir setzen insbesondere bei der jungen Generation Z das Handy für rasches Videofeedback ein. Bei einem Ausfallschritt vorwärts mit der Langhantel über dem Kopf mit ausgestreckten Armen können wir die Endposition festhalten und dem Spieler als unmittelbares, visuelles Feedback zur Verfügung stellen. (Beni Linder)
  • Praxis-Tipp: Die Kinder lösen eine Aufgabe zu zweit. Am Schluss  gibt jedes Kind dem anderen zwei positive Rückmeldungen (z.B. Du hast schön zugespielt). Die Kinder hören gut zu und bedanken sich für das Feedback. (Ilona Schönmann) 

Attraktive Aufgaben auch am Tennis Forum und Kids Tennis Forum
Dem Thema «Attraktive Aufgaben stellen» widmet sich auch das 8. Tennis Forum Schweiz vom 29. März 2020 sowie das Kids Tennis Forum vom 28. März 2020. Beide Anlässe finden in der Swiss Tennis Arena in Biel statt. Gezeigt werden unter anderem attraktive Aufgaben im Konditionstraining und attraktive Aufgaben im Tennistraining für Girls (Beispiele dazu auch in der Übungssammlung Jugentraining). Andreas Steinegger (Ausbildungschef J+S) zeigt auf, wie attraktiver Unterricht gelingt und die 25-fache Grand-Slam-Siegerin Martina Hingis erzählt von herausfordernden Aufgaben ihrer Karriere. Im Anschluss demonstriert Hingis zusammen mit dem Nationaltrainer Roland Burtscher Trainingsformen im Spitzentennis.
 
Das Kids Tennis Forum greift attraktive Spielformen aus dem neuen Kids Tennis Training Book auf und zeigt, wie herausfordernde Aufgaben gestellt und korrekt angeleitet und Erfolgserlebnisse ermöglicht werden. Präsentationen eines ElKi-Unterrichts sowie des Street Rackets werden den Tag abrunden.
 
An den beiden Foren können auch interessierte TennisspielerInnen oder Eltern teilnehmen. Anmelden kann man sich noch bis Mitte März.
Anmeldung Tennis Forum Schweiz
Anmeldung Kids Tennis Forum


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