Athleten

25. März 2026, 08:45

Talent des Monats: Romy Gattlen liebt das Gewinnen

Erfolge gegen höher klassierte Gegnerinnen, die Beförderung ins nationale Nachwuchskader, der Umzug ins Sportgymnasium – die 14-jährige Romy Gattlen fördert und fordert sich.

Auf den ersten Blick sind es bloss Zahlen. Nüchtern, schwarz auf weiss. Doch hinter ihnen verbirgt sich eine womöglich hoffnungsvolle Geschichte. Die 14-jährige Walliserin Romy Gattlen hat im Kalenderjahr 2025 47 offizielle Tennismatchs bestritten: 29 in der Schweiz, 18 mehrheitlich im nahen Ausland. 30-mal ging sie als Siegerin vom Platz. Einer, der das Talent gut kennt – und es in Zukunft noch besser kennenlernen wird –, ist Jacob Kahoun. Der heute 33-jährige Visper ist Vollzeittrainer an einer Tennisschule in Zofingen. Seit vier Monaten trainiert Romy Gattlen drei Tage pro Woche bei ihm und seinem Team. Dafür pendelt sie zwischen dem Oberwallis und dem Aargau. Ab nächstem Sommer fällt dieses zeitintensive Hin und Her weg: Gattlen zieht nach Aarau und besucht dort in der «Kanti» das Sportgymnasium. Bis dahin ist sie Teil des Programms «Schule und Sport» der OS Visp. Kahoun sagt über Gattlen schmunzelnd: «Sie liebt das Gewinnen. Sie hasst das Verlieren. Es ist eine gefährliche Kombination, die man als junge Sportlerin zuerst noch in die richtigen Bahnen lenken muss. Ihre Einstellung hilft im Spitzensport, aber für den Moment ist das Resultat noch nicht alles.»

Dass sich Gattlen heute in der Schweizer Tennisszene leise, aber stetig einen Namen macht, hat auch familiäre Wurzeln. Vater Kilian (52) war ein guter Tennisspieler, und die vier Jahre ältere Schwester Ena-Maria (18) griff ebenfalls früh zum Racket. «Ich ging beiden ziemlich auf die Nerven, weil auch ich unbedingt spielen wollte. Für mich war klar, eines Tages immer die Stärkere sein zu wollen», erinnert sich Romy Gattlen. Der Ehrgeiz meldete sich früh. Heute lacht die Familie darüber, wie die jüngere Tochter einst den internen Konkurrenzkampf ausrief. Gattlen wuchs polysportiv auf, neugierig und offen für vieles. Neben der Schule blieb kaum Zeit für Langeweile. Skifahren, Handball, Schwimmen, Volleyball – nicht selten wechselte sie am gleichen Abend von der einen Halle zur nächsten, von einem Sportplatz zum anderen. Volleyball stand besonders hoch im Kurs. Doch irgendwann liessen sich die Ambitionen im Volleyball und im Tennis nicht mehr vereinbaren. Anfang 2023 fiel die Entscheidung zugunsten des gelben Filzballs. «Ich würde mich auch heute noch so entscheiden. Ich spielte länger Tennis, hatte mehr Herzblut dafür und bevorzugte unter dem Strich dann doch den Einzelsport», blickt Romy Gattlen zurück.

Nach vier Monaten mit den neuen Trainern in Zofingen zieht die 14-Jährige eine erste Bilanz. «Ich bin im Match offensiver und aggressiver geworden. Meine neuen Coaches fördern das, ich fühle mich immer wohler dabei. Ich könnte und müsste noch etwas mehr ans Netz, aber das braucht Zeit und Sicherheit.» «Ihr Vorteil ist, dass sie neue Elemente und Inhalte rasch versteht und schnell umsetzen kann. Die Beschleunigung des Schlägerkopfes ist sehr gut, was ihr dank ihrer Grösse auch beim Aufschlag hilft», erklärt Trainer Jacob Kahoun. In der Rangliste des Schweizer Damentennis, angeführt von Belinda Bencic, überwintert Romy Gattlen auf Rang 112. So gut wie nie zuvor. Für ihre Resultate und Fortschritte hat Swiss Tennis Gattlen belohnt, im neuen Jahr gehört sie zum Nationalen Nachwuchskader U15. Eine Art Geschenk zu Weihnachten und Zusatzmotivation für das neue Jahr.

Anmerkung: Dieser Text ist eine gekürzte Fassung eines Artikels, der am 5. Januar 2026 vollständig im Walliser Bote erschienen ist (Autor: Alan Daniele / Foto: Alain Amherd). 

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