In sehr gutem Französisch erzählt der gebürtige Münchensteiner (BL) von seinem Eintritt ins Nationale Leistungszentrum von Swiss Tennis: «Es war eine Ehre und eine Überraschung für mich und meine Eltern, als der Verband mich kontaktierte und mir einen Platz im Leistungszentrum anbot. Mein bester Freund aus Kindertagen, Roger, hatte diesen Schritt zwei Jahre zuvor gewagt, und meine Eltern hatten seine Entwicklung genau verfolgt. Dort war er reifer und erwachsener geworden. Also stimmten sie zu und ermutigten mich, dorthin zu gehen – unter der Bedingung, dass ich bei einer Gastfamilie Französisch lerne.»
Einige Jahre später bestritt Marco seine ersten Profispiele auf der Tour. Er gesteht: « Zu Beginn meiner Karriere wusste ich, dass ich ein guter Spieler war, aber ich konnte mir nicht wirklich vorstellen, die Top 100 zu erreichen.» Erst sein damaliger Trainer und Mentor Jan de Witt machte ihm bewusst, welches Potenzial er hatte und dass er in der Lage war, die Besten zu schlagen.
«Ich versuche immer, das Positive in negativen Situationen zu sehen. Das hat mir geholfen, erfolgreich auf den Tennisplatz zurückzukehren.»
Die Karriere des heute 43-jährigen Ex-Tennisprofis wurde mehrfach von Verletzungen ausgebremst. 2005 zwang ihn eine schwere Schulterverletzung zu einer neunmonatigen Pause. Er kämpfte sich zurück, doch kaum war er auf dem Weg in die Top 100, stoppte ihn 2007 sein Knie. «Anfangs dachte ich, es würde nur zwei, drei Wochen dauern. Der Schmerz kam schleichend, ohne einen konkreten Auslöser. Doch am Ende war eine Operation die beste Lösung.» Es dauerte 18 Monate, bis er wieder auf Tour war – und mit Erfolg: 2009 erreichte er Platz 56 der Weltrangliste und wurde mit dem ATP-Comeback-Preis ausgezeichnet. «Ich war stolz, dass ich trotz aller Zweifel diesen Weg zurückgelegt hatte.»
Sein positiver Blick auf Rückschläge half ihm auch in der Zeit abseits des Tennisplatzes: «Ich konnte meinen Grossvater zu seiner letzten grossen Reise begleiten – das wäre ohne meine Verletzung nie möglich gewesen. Ich versuche immer, das Positive in negativen Situationen zu sehen. Das hat mir geholfen, erfolgreich auf den Tennisplatz zurückzukehren.»
«Ich war stolz, mein Land in meinem Sport zu vertreten. Es war immer eine Ehre, das Schweizer Trikot zu tragen.»
Als Schweizer Nummer drei wurde Marco Chiudinelli regelmässig für den Davis Cup nominiert. Besonders in Erinnerung bleibt ihm seine erste Einberufung 2005: «Ich sah die Kleider mit dem weissen Kreuz auf meinem Bett liegen, zog sie an und betrachtete mich im Spiegel – ein unglaubliches Gefühl, ich war sehr stolz!» Insgesamt bestritt der Basler 28 Davis-Cup-Partien und war Teil der legendären Mannschaft, die 2014 gegen Frankreich den Titel holte.
«Roger war wegen seines Rückens unsicher, also hätte ich vielleicht gespielt. Natürlich will man als Profi immer auf dem Platz stehen, aber im Davis Cup zählt das Team. Und wir wussten: Wenn Roger spielt, sind unsere Chancen grösser.» Die Schweiz schrieb an diesem Tag Tennisgeschichte. «Mit den Fans in Lausanne zu feiern, war einfach schön!»
Die ganze Folge von «Let’s talk about Tennis» mit Marco Chiudinelli ist bei Spotify und Apple Podcasts zu hören.



