Die ehemalige Nummer 25 der Junioren-Weltrangliste berichtet zunächst von der Entscheidung mit 15 Jahren die Schule aufzugeben, um sich ganz auf das Tennis zu konzentrieren: «Ich spiele seit meiner Kindheit Tennis. Mit fünf Jahren verfolgte ich bereits die Turniere meiner Brüder – mit dem Schläger in der Hand. Mit etwa zwölf Jahren gehörte ich dann zu den besten Spielern der Schweiz. Im Laufe der Jahre entwickelte ich mich weiter und mit 15 beschloss ich, mich ausschliesslich dem Tennis zu widmen und mir dafür zwei bis drei Jahre zu geben.»
Kurze Zeit später bestreitet der Spieler aus La Neuveville seine ersten Profispiele auf der Tour: «Es war eine wertvolle Erfahrung, denn man muss Wege finden, die Gegner anders unter Druck zu setzen – schliesslich haben sie eine körperliche Schlagkraft, die weit über der eines 16-Jährigen liegt.»
«Im Tennis ist Konstanz alles.»
Der Tennisspieler aus dem Grand Chasseral macht weiter Fortschritte, erhält kurz vor seinem 20. Geburtstag den Profistatus, spielt eine Saison nach der anderen auf der Tour und lernt die Realität des Profitennis kennen: «Die Top 150 können wirklich vom Tennis leben. Darüber hinaus wird es kompliziert. Zum Glück habe ich meine Familie, meine Sponsoren und den Verband als Rückhalt. Ihre Unterstützung motiviert mich, jeden Tag alles zu geben.»
Mit seiner besten Platzierung als Nummer 363 der Tennis-Weltrangliste zieht er Bilanz und analysiert den Abstand, der ihn noch von der Weltspitze trennt: «Wir spielen alle gutes Tennis, aber die Besten sind jene, die über Jahre hinweg im Spiel körperlich und mental konstant bleiben.» Er ergänzt noch: «Wenn man im Kopf stark ist und Spass hat, geht alles leichter von der Hand. Am besten habe ich gespielt, als ich am wenigsten darüber nachgegrübelt habe.»
«Ich brauchte Luft zum Atmen.»
Im Verlauf des Jahres 2024 ist ihm die Freude langsam entglitten: «Das Feuer für Tennis war erloschen – selbst Siege machten mich nicht mehr glücklich.» Es ist ein schwerer Moment der Einsicht für ihn, der seit seiner Jugend nur das Tennisleben kennt. Im September 2024 entscheidet er sich dann den Schläger niederzulegen. Fast zwei Monate lang widmet er sich anderen Dingen, vor allem der Padelschule seines Bruders und findet dabei ein neues Gleichgewicht: «Das hat mir unheimlich gutgetan. Ich musste raus aus dem Tennisalltag, ein bisschen Luft holen und etwas anderes erleben.»
«Ich wollte mir selbst noch eine Chance geben.»
Ein paar Wochen später kommt die Motivation zurück. Mit etwas Abstand und neuer Gelassenheit steigt er im Frühjahr 2025 wieder ins Turniergeschehen ein: «Ich wollte es anders angehen, entspannter und mit weniger Druck.» Sein Comeback ist vielversprechend: zwei Finalteilnahmen, ein Doppeltitel und vor allem wieder Spass am Tennis. «Ich habe mich gefreut, auf dem Platz zu stehen und zu trainieren. In diesem Moment wusste ich, dass ich die richtige Entscheidung getroffen hatte.»
Da er weiss, wie schwer es ist, sich dauerhaft in einem hart umkämpften Sport zu behaupten, setzt er sich keine konkreten Ranglisten-Ziele mehr. «Von nun an nehme ich die Wochen, wie sie kommen, ohne grosse Erwartungen. So gelingt es mir, mein bestes Tennis auf den Platz zu bringen.»
Das vollständige Gespräch mit Damien Wenger ist auf Spotify und Apple Podcasts verfügbar, ebenso wie alle weiteren Folgen von Let’s talk about Tennis – en français und Let’s talk about Tennis!




